Geschäftsstelle BayWISS, 18.07.2018

Bayerisches Wissenschafts­forum feiert ersten Doktortitel: Rainer Koch promoviert im Verbundkolleg Digitalisierung

Pressemitteilung: Als erster Absolvent eines Verbundkollegs des Bayerischen Wissenschaftsforums überhaupt erhält am Mittwoch, den 18. Juli, Rainer Koch (37), der über Realschule, Lehre und BOS an die Fachhochschule kam, seine Doktorurkunde sogar persönlich aus den Händen der bayerischen Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Prof. Marion Kiechle.

Über die Verbundkollegs haben Absolventen von Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAWs) einen klaren Weg zum Doktortitel. Eine kontinuierliche, gemeinsame Betreuung von Professorinnen und Professoren aus Universitäten und HAWs, die wissenschaftlich zusammenarbeiten, sichert die Qualität der Promotionen.

Bayerisches Wissenschaftsforum feiert ersten Doktortitel

Ehemaliger Realschüler Rainer Koch promoviert im Verbundkolleg Digitalisierung

München. Über die Verbundkollegs des Bayerischen Wissenschaftsforums haben Absolventen von Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAWs) einen klaren Weg zum Doktortitel. Eine kontinuierliche, gemeinsame Betreuung von Professorinnen und Professoren aus Universitäten und HAWs, die wissenschaftlich zusammenarbeiten, sichert die Qualität der Promotionen. Die Erfolge lassen sich sehen: Bis Ende des Jahres werden weit über 100 Promovierende in voraussichtlich neun Verbundkollegs an ihrer Doktorarbeit schreiben. Als erster Absolvent eines Verbundkollegs überhaupt erhält am Mittwoch, den 18. Juli, Rainer Koch (37), der über Realschule, Lehre und BOS an die Fachhochschule kam, seine Doktorurkunde sogar persönlich aus den Händen der bayerischen Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Prof. Marion Kiechle.

„Herr Koch und seine Doktorväter Prof. Andreas Nüchter von der Uni Würzburg und Prof. Stefan May von der TH Nürnberg können stolz sein auf die geleistete Arbeit. Herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Promotion“, gratuliert Prof. Gerhard Müller, Vorsitzender des Lenkungsrats des Bayerischen Wissenschaftsforums, der gemeinsamen Kooperationsplattform aller bayerischen Universitäten und HAWs. Im Bayerischen Wissenschaftsforum stellen die Verbundkollegs das größte Fachforum, inzwischen sind fast alle Hochschulen in Bayern aktiv in mehrere Kollegs involviert: Zu den Megathemen Mobilität, Energie, Digitalisierung, Ressourceneffizienz, Sozialer Wandel und Gesundheit wurden zunächst sechs Verbundkollegs gegründet. Die Zusammenarbeit von Promovierenden und Professoren aus Unis und HAWs wird dabei jeweils koordiniert von einem Wissenschaftsmanager, der an einer der Mitgliedshochschulen angesiedelt ist und die Vernetzung vorantreibt, Workshops und Kurse anbietet und für die Qualitätssicherung zuständig ist.

„Wer in einem Verbundkolleg des Bayerischen Wissenschaftsforums promoviert, hat einen Riesenvorteil“, betont Rainer Koch. „Mir hat die – wenn auch verspätete – Einbindung in das Verbundkolleg Digitalisierung noch einmal so richtig Schwung gegeben. Ich kann jedem HAW-Absolventen nur empfehlen, gleich von Anfang an in einem Verbundkolleg zu promovieren. Es gibt gesicherte gute Betreuung, Fortbildungen und Foren für alle Promovierenden des Kollegs und Reisekostenzuschüsse. Die Vernetzung und die Einbindung in die Forschergemeinschaft sind deutlich besser als ohne solch ein Kolleg. Ich hoffe sehr, dass der Freistaat die Verbundkollegs des Wissenschaftsforums auch in Zukunft finanziert.“

„Die Durchlässigkeit des bayerischen Bildungssystems ist sehr wertvoll und die Verbundkollegs des Bayerischen Wissenschaftsforums sind da das Sahnehäubchen obendrauf. Sie sind ein guter Weg, Talente für die Forschung zu gewinnen. Ein geradliniger Lebenslauf ist keine zwingende Voraussetzung und nicht alleiniger Schlüssel zum Erfolg. Es gibt viele und vielfältige Wege zur Exzellenz“, sagt Prof. Müller auch mit Blick auf den Lebenslauf von Rainer Koch: Von der 6. Klasse Hauptschule in die Realschule, über eine Lehre als Bauzeichner und die Berufsoberschule kam Koch, der aus Dettelbach bei Würzburg stammt, an die Technische Hochschule Nürnberg; nach dem Diplom-Ingenieur (FH) in Elektrotechnik und einem Aufbaustudium (Master) folgte schließlich die Doktorarbeit. „Ich hatte damals das Glück, dass Prof. May, mein Chef im Labor für mobile Robotik an der TH, gerade einen Doktoranden suchte und er einen guten Kontakt zu seinem Kollegen Prof. Nüchter von der Uni Würzburg hatte, Dieser war schnell zur Co-Betreuung bereit und hat mich auch wissenschaftlich inspiriert. Viele gute Leute an den HAWs haben aber nicht so viel Glück und deshalb sind die Verbundkollegs so wichtig, die es seit 2016 gibt; jetzt ist der Weg zu einem Doktorvater oder einer Doktormutter an der Universität klarer und einfacher geworden.“ Ist ein HAW-Professor Mitglied eines Verbundkollegs, kann er einen sehr guten Master-Absolventen, der forschen und promovieren möchte, einfacher mit einem Uni-Professor in Kontakt bringen.

„Mit BayWISS haben wir eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Universitäten und HAWs gefunden. In den Verbundpromotionen können unsere wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gleichermaßen betreut von einer Universitäts- und HAW-Professur einen strukturierten Weg zur Promotion gehen. Es ist schön, dass wir heute mit der ersten Verbundpromotion einen ersten Meilenstein in dieser erfolgreichen Zusammenarbeit erreicht haben“, betont Prof. Walter Schober, Präsident der TH Ingolstadt und stellvertretender Vorsitzender des Lenkungsrats des Bayerischen Wissenschaftsforums. „Klare Standards für alle Verbundpromotionen schaffen Sicherheit und vermeiden Bürokratie. Professoren oder Professorinnen von Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften betreuen die Doktoranden dabei gemeinsam und gleichberechtigt.

In seiner Dissertation („Sensorfusion zur präzisen Kartierung von transparenten und reflektierenden Objekten“) betätigte sich Rainer Koch gewissermaßen als „Augenarzt für Roboter“: Typischerweise bestehen die „Augen“ von Robotern, von autonomen Autos oder von anderen Fahrzeugen der Zukunft heute aus Laserscannern. Ein Problem sind dabei aber reflektierende Objekte oder transparentes Material, da sie das Erkennungssystem verwirren oder irritieren – in der Folge „sieht“ der Roboter falsch und es kann zu einer Kollision kommen. Rainer Koch schaffte es, die Datenverarbeitung – sprich die Algorithmen für die simultane Kartierung und Lokalisierung – von Laserscannern so zu verbessern, dass Roboter nun auch spiegelnde oder transparente Objekte und ihre Umgebung richtig erkennen. An Kochs Forschungsergebnissen und seiner Expertise hat freilich auch die Wirtschaft großes Interesse: Seit einigen Monaten ist Rainer Koch jetzt im Bereich Forschung und Entwicklung eines Automobilzulieferers tätig, wo er Algorithmen entwickelt, die Sensoren von Robotern weiter verbessern. Nebenbei bleibt er Lehrbeauftragter an der TH Nürnberg. „Wir hoffen auf alle Fälle, dass uns Rainer Koch als erster Alumnus im Bayerischen Wissenschaftsforum erhalten bleibt und wir ihn als Mentor für junge Promovierende gewinnen können“, sagt Prof. Müller. „Und, falls er tatsächlich selbst einmal Professor sein sollte, dann wünschen wir uns ihn natürlich als Doktorvater in einem Verbundkolleg des Wissenschaftsforums.“


Pressekontakt: Susanne Kravitz, Geschäftsführerin Bayerisches Wissenschaftsforum,
mobil 01735241694; kravitz@baywiss.de ; www.baywiss.de

Das Bayerische Wissenschaftsforum ist die zum 1. Januar 2016 eingerichtete Kommunikationsplattform der bayerischen Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW).


Bitte beachten Sie, dass auch die TH Nürnberg und die Universität Würzburg PM veröffentlicht haben:
https://www.th-nuernberg.de/news/rainer-koch-von-der-th-nuernber/ und http://www.presse.uni-wuerzburg.de/aktuell/einblick/single/news/erster-doktor-der-baywiss-verbundpromotion/